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Auswärtiges Amt irritiert mit Todesanzeige für Murad Hofmann

Im Alter von 88 Jahren verstarb am 20. Dezember 2019 in Bonn der deutsche Botschafter Murad Hofmann, Träger des Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Aus diesem Anlass gedachte das Auswärtige Amt in Berlin dem verstorbenen Diplomaten am 5. Februar 2020 mit einer Todesanzeige, in der es heißt: „Hofmann trat 1961 als Angehöriger des 16. Attachélehrgangs in den Auswärtigen Dienst ein. Nach Beendigung des Vorbereitungsdienstes für den höheren Auswärtigen Dienst wurde er zunächst in der Zentrale im Referat für Süd- und Ostasien eingesetzt. Seine erste Auslandsverwendung führte ihn 1965 an die Botschaft Bern. Von dort wurde er 1967 an die Ständige Vertretung bei der NATO nach Paris, später nach Brüssel versetzt. 1970 kehrte er in die Zentrale nach Bonn zurück, wo er zunächst im Planungsstab eingesetzt war und 1972 stellvertretender Leiter des NATO-Referats wurde. Er wurde 1973 nach Wien versetzt und der deutschen Delegation bei den Verhandlungen über die beiderseitigen und ausgewogenen Truppenverminderungen und damit zusammenhängenden Maßnahmen in Europa (MBFR) als stellvertretender Leiter zugeteilt. Von 1976 bis 1979 war er ständiger Vertreter an der Botschaft Belgrad und während dieser Zeit auch stellvertretender Leiter der deutschen Delegation bei der KSZE-Folgekonferenz. Ab 1979 leitete er das Referat für die NATO und Verteidigung in der Zentrale, bis er 1983 nach Brüssel wechselte und dort für vier Jahre das Amt des Informationsdirektors der NATO übernahm. 1987 wurde ihm die Leitung der Botschaft Algier übertragen; ab 1990 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 1994 war er Botschafter in Rabat.“

Der offizielle Nachruf des deutschen Außenministeriums beschränkt sich ausschließlich auf seine Tätigkeit im Auswärtigen Amt. Die Todesanzeige unterläßt ferner die Nennung des Namens Murad für den verstorbenen Muslim. Das ist ein handfester Behördenskandal und könnte von feinfühligen Beobachtern als Ressentiment gegen den muslimischen Glauben des deutschen Botschafters aufgefasst werden.

In den Büchern Murad Hofmanns ist unter anderem nachzulesen, wie sehr ihn der ins Unverbindliche abgleitende Wertrelativismus des westlichen Pluralismus in der sogenannten Postmoderne störte. Er sei auf einer Suche nach Striktheit und Stringenz, die ihr Ziel finde, bei der Religion Islam fündig geworden.

1980 nahm Deutschlands Top-Diplomat, während einer schweren gesundheitlichen Krise, den Islam an. Bei der Konversion ist es im Allgemeinen üblich, einen muslimischen Namen anzunehmen. Botschafter Dr. Wilfried August Otto Hofmann hieß seither Murad mit muslimischen Vornamen.

Auch auf akademischem Gebiet tat sich der Gelehrte hervor. Murad Hofmann bearbeitete Max Hennings legendäre Fassung der Übersetzung des Korans.

Murad Hofmanns offizielles Engagement ist der Öffentlichkeit allgemein bekannt. Aber in dem offiziellen Nachruf des Auswärtigen Amtes offensichtlich bewußt weggelassen. Unter anderem unterläßt das Auswärtige Amt die Erwähnung von herausragenden Positionen und Leistungen Murad Hofmanns als Mitglied des Zentralrats der Muslime in Deutschland, als Mitglied der Royalen Aal al-Bayt Stiftung für islamisches Denken in Amman, als Mitglied des Schariah-Rats der Bosna Bank International in Sarajevo, als Mitglied des Forschungsinstituts der Internationalen Islamischen Universität in Islamabad und als Mitglied des Beirats der Zeitschrift Hamdard Islamicus in Karachi.

All diese wichtigen offiziellen Funktionen von Murad Hofmann erwähnt der offizielle Nachruf des Auswärtigen Amtes wohl bewußt nicht.

Als 2006 die erste öffentliche islamische Multimedia-Bibliothek Bayern im Islamischen Forum Penzberg eröffnete, hielt Murad Hofmann auf Einladung der Islamischen Gemeinde Penzberg den Vortrag “Das Buch als Brücke“. Murad Hofmanns baute während seiner Stationen als deutscher Botschafter in Algiers und Rabat sowie als Mitglied der Aal al-Bayt Stiftung in Amman zahllose wichtige Brücken der Begegnung zwischen den Menschen im Orient und im Okzident.

Eine Presseanfrage der Nachrichtenseite StraTurka zu den Unterlassungen in der Todesanzeige für Murad Hofmann ließ die Pressestelle des Auswärtigen Amtes unbeantwortet. Es ist nicht das erste Mal, daß die Pressestelle des Auswärtigen Amtes Presseanfragen ignoriert. Murad Hofmann war ein Diplomat, der sich für Verständigung und Offenheit engagierte. An seinem Lebenswerk können sich heutige Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes ein Beispiel nehmen.

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About the author

Martin Lejeune

Martin Lejeune

Martin Lejeune is a freelance journalist, correspondent, political analyst and photographer based in Berlin, Germany

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